Wissenshub
Glossar für Kredit und Baufinanzierung
Willkommen im EM-Kredit Glossar. Hier werden Finanz- & Kreditbegriffe einfach erklärt: Von Ablösebescheinigung bis Zinsbindung findest du zentrale Begriffe aus Kredit, Anschlussfinanzierung und Baufinanzierung in einer sauberen, indexierbaren Struktur.
Gutachten erklärt
Ein Begriff aus dem EM-Kredit Glossar
✤Ein Gutachten ist eine professionelle und objektive Bewertung einer Immobilie durch einen
qualifizierten, unabhängigen Sachverständigen.
✤Es dient bei der Baufinanzierung als maßgebliche Grundlage zur Ermittlung des
Beleihungswerts und der maximalen Kreditsumme.
✤Je nach Zweck und Anforderung der finanzierenden Bank unterscheidet man zwischen kompakten
Kurzgutachten und umfassenden Verkehrswertgutachten.
Definition:
Ein Gutachten im Immobilienbereich ist die schriftliche, fachliche Einschätzung über den
aktuellen finanziellen Wert eines Grundstücks oder Gebäudes. Es dokumentiert den baulichen
Zustand und liefert Käufern sowie Banken eine verlässliche und rechtssichere
Bewertungsgrundlage.
Warum verlangen Banken eine
Immobilienbewertung?
Wenn Sie ein Haus kaufen oder bauen und dafür einen Kredit benötigen, dient die Immobilie
der Bank als Kreditsicherheit. Das Institut muss genau kalkulieren, wie viel das Objekt im
schlimmsten Fall bei einer Zwangsversteigerung auf dem Markt einbringen würde. Dieser
sogenannte Beleihungswert liegt aus Sicherheitsgründen meist 10 bis 20 Prozent unter dem
tatsächlichen Kaufpreis (dem Verkehrswert). Um diesen Wert objektiv festzulegen, beauftragen
Banken eigene oder externe Gutachter, die das Objekt nach strengen, standardisierten
Verfahren bewerten.
Welche Arten der Immobilienbewertung gibt
es?
Nicht für jede Finanzierung ist der gleiche Aufwand nötig. In der Praxis der Baufinanzierung
haben sich verschiedene Bewertungsformen etabliert:
- Verkehrswertgutachten: Ein extrem detailliertes und vor Gericht anerkanntes Dokument (nach § 194 BauGB), das alle rechtlichen, energetischen und baulichen Faktoren tiefgehend analysiert. Es ist bei Erbstreitigkeiten oder Scheidungen oft zwingend erforderlich.
- Kurzgutachten: Eine kompaktere und kostengünstigere Form der Wertermittlung. Sie reicht den meisten Banken für eine normale Standard-Baufinanzierung beim Hauskauf völlig aus.
- Desktop-Bewertung: Bei reinen Standardimmobilien und ausreichendem Eigenkapital nutzen viele Banken heute datengestützte, rechnerische Bewertungen am Computer, ganz ohne physische Vor-Ort-Besichtigung durch einen Sachverständigen.
Welche Faktoren beeinflussen das Bewertungsergebnis?
Der Gutachter prüft zahlreiche Details der Immobilie. Zentrale Kriterien sind dabei die Makro- und Mikrolage, also die Infrastruktur der Region und die direkte Nachbarschaft. Ebenso entscheidend ist der bauliche Zustand: Eine moderne Heizungsanlage, ein saniertes Dach und eine gute Energieeffizienz steigern den Wert erheblich. Mängel wie Feuchtigkeit, Schimmel oder ein offensichtlicher Sanierungsstau führen hingegen zu massiven Wertabschlägen, was die Kreditzusage gefährden oder Zinsaufschläge nach sich ziehen kann.
Wichtig für Kunden:
Klären Sie vorab mit Ihrer finanzierenden Bank, welche Art von Wertgutachten für Ihre Kreditvergabe zwingend erforderlich ist, um doppelte Kosten zu vermeiden. Ein fundiertes Gutachten schützt Sie zudem als Käufer davor, einen überhöhten Preis für eine Immobilie mit versteckten baulichen Mängeln zu zahlen.