Wissenshub
Glossar für Kredit und Baufinanzierung
Willkommen im EM-Kredit Glossar. Hier werden Finanz- & Kreditbegriffe einfach erklärt: Von Ablösebescheinigung bis Zinsbindung findest du zentrale Begriffe aus Kredit, Anschlussfinanzierung und Baufinanzierung in einer sauberen, indexierbaren Struktur.
Inflation erklärt
Ein Begriff aus dem EM-Kredit Glossar
✤Die Inflation bezeichnet den allgemeinen und anhaltenden Anstieg des Preisniveaus von
Gütern und Dienstleistungen innerhalb einer Volkswirtschaft.
✤Für Verbraucher bedeutet dies einen Kaufkraftverlust, da das Geld an Wert verliert und sie
für den gleichen Betrag weniger Waren erhalten.
✤In der Baufinanzierung hat die Inflation einen paradoxen Effekt: Sie entwertet zwar
Ersparnisse, reduziert aber gleichzeitig den realen Wert von bestehenden Kreditschulden.
Definition:
Die Inflation ist die anhaltende Geldentwertung, gemessen an der prozentualen
Preissteigerung eines definierten Warenkorbs. Sie führt dazu, dass die Kaufkraft einer
Währung sinkt und die Lebenshaltungskosten für Verbraucher spürbar ansteigen.
Wie entsteht Inflation und wie wird sie
gemessen?
Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt idealerweise eine Inflationsrate von mittelfristig
zwei Prozent an, um die Wirtschaft stabil zu halten. Gemessen wird die Teuerung anhand eines
fiktiven Warenkorbs, der die typischen monatlichen Ausgaben eines Durchschnittshaushalts für
Miete, Lebensmittel, Energie und Dienstleistungen repräsentiert. Steigen diese Preise
überdurchschnittlich an, verliert das Geld seinen realen Gegenwert. Die Ursachen dafür
können vielfältig sein: Eine zu große Geldmenge im Markt, stark gestiegene Produktions- und
Energiekosten (Angebotsinflation) oder eine sprunghaft wachsende Nachfrage, die auf ein zu
knappes Güterangebot trifft (Nachfrageinflation).
Die paradoxen Effekte auf Baudarlehen
Für Immobilienkäufer und Kreditnehmer spielt die Geldentwertung eine doppelte und oft
missverstandene Rolle. Die konkreten Auswirkungen auf die Baufinanzierung lassen sich in
folgende Punkte unterteilen:
- Reale Schuldenentwertung: Wer bereits einen Baukredit mit festen Zinsen abzahlt, profitiert von der Teuerung. Da die Gehälter durch Inflationsausgleiche meist steigen, die monatliche Kreditrate und die Restschuld aber nominal gleich bleiben, sinkt die tatsächliche finanzielle Belastung.
- Steigende Bauzinsen: Um eine hohe Inflation zu bekämpfen, erhöhen Zentralbanken in der Regel den Leitzins. Dies führt fast unweigerlich zu deutlich teureren Konditionen für neue Immobilienkredite und anstehende Anschlussfinanzierungen.
- Flucht in Sachwerte: Aus Angst vor Geldentwertung suchen Anleger Schutz in Immobilien (Betongold). Das treibt die Nachfrage und somit die Kaufpreise weiter in die Höhe.
- Explodierende Baukosten: Bauherren leiden massiv unter der Teuerung, da die Preise für Baumaterialien und Handwerkerleistungen oft unkalkulierbar ansteigen.
Strategien für Immobilienkäufer
Eine hohe Inflationsrate erfordert eine besonders vorausschauende Liquiditätsplanung. Wer ein neues Hausbauprojekt oder einen Immobilienkauf plant, muss bei der Aufstellung des Finanzierungsplans zwingend größere finanzielle Puffer einkalkulieren. Höhere Lebenshaltungskosten verringern den monatlichen Überschuss, der für die Zahlung der Kreditrate zur Verfügung steht. Daher bewerten Kreditinstitute die Haushaltsrechnung in Inflationszeiten deutlich strenger, um Zahlungsausfälle zu vermeiden.
Wichtig für Kunden:
Sichern Sie sich in Zeiten drohender Inflation unbedingt eine möglichst lange Zinsbindung für Ihr Baudarlehen, um sich vor den unvermeidlichen Zinserhöhungen der Notenbanken zu schützen. Wenn Sie bereits finanzieren, können Sie sich entspannen: Die allgemeine Preissteigerung verringert den realen Wert Ihrer festgeschriebenen Restschuld quasi automatisch.