Wissenshub
Glossar für Kredit und Baufinanzierung
Willkommen im EM-Kredit Glossar. Hier werden Finanz- & Kreditbegriffe einfach erklärt: Von Ablösebescheinigung bis Zinsbindung findest du zentrale Begriffe aus Kredit, Anschlussfinanzierung und Baufinanzierung in einer sauberen, indexierbaren Struktur.
Notaranderkonto erklärt
Ein Begriff aus dem EM-Kredit Glossar
✤Ein Notaranderkonto ist ein vom Notar treuhänderisch verwaltetes Bankkonto, das zur
sicheren Abwicklung des Kaufpreises bei Immobiliengeschäften dient.
✤Es stellt sicher, dass der Verkäufer den Kaufpreis erst erhält, wenn alle rechtlichen
Voraussetzungen für den Eigentumsübergang im Grundbuch erfüllt sind.
✤Die Nutzung eines solchen Kontos ist heute nicht mehr der Regelfall, sondern erfordert ein
berechtigtes Sicherungsinteresse der beteiligten Vertragsparteien.
Definition:
Das Notaranderkonto ist ein auf den Namen eines Notars geführtes Treuhandkonto. Es dient
dazu, Gelder von Käufern oder finanzierenden Banken zwischenzulagern, bis der Notar die
Auszahlung an den Verkäufer rechtssicher veranlassen kann.
Sicherheit durch treuhänderische
Verwaltung
Der Hauptzweck dieses Kontos besteht darin, das Risiko für beide Parteien bei einer
Immobilienfinanzierung zu minimieren. Der Käufer zahlt den Kaufpreis nicht direkt an den
Verkäufer, sondern auf das Konto des Notars. Dieser fungiert als neutrale Instanz und
überwacht den Prozess. Erst wenn die sogenannte Auflassungsvormerkung im Grundbuch
eingetragen ist und alle für den Lastenwechsel notwendigen Unterlagen (wie die
Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes) vorliegen, leitet der Notar das Geld weiter.
Dies schützt den Käufer davor, Geld für eine Immobilie zu bezahlen, die er am Ende aus
rechtlichen Gründen nicht erhalten kann.
Wann ist die Nutzung eines Notaranderkontos heute
noch sinnvoll?
Früher war das Notaranderkonto bei fast jedem Hauskauf üblich. Heute erfolgt die Abwicklung
meist über die sogenannte Direktzahlung. Dennoch gibt es spezifische Konstellationen, in
denen die Bank oder der Notar die Nutzung eines Treuhandkontos vorschreiben oder empfehlen:
- Komplexe Lastenfreistellung: Wenn eine Vielzahl von Gläubigern des Verkäufers im Grundbuch befriedigt werden muss.
- Zwangsversteigerungen: Zur Sicherstellung einer reibungslosen Abwicklung bei komplizierten Eigentumsverhältnissen.
- Vorzeitige Schlüsselübergabe: Wenn der Käufer die Immobilie bereits vor der endgültigen Grundbucheintragung beziehen möchte.
- Finanzierung durch mehrere Banken: Um die Koordination der Auszahlungsströme bei unterschiedlichen Kreditinstituten zu bündeln.
Kosten und Auswirkungen auf die Baufinanzierung
Die Einrichtung eines Notaranderkontos ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, der sogenannten Hebegebühr. Diese Gebühr richtet sich nach der Höhe des verwalteten Kaufpreises und wird im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) geregelt. Da diese Kosten die Baunebenkosten erhöhen, prüfen Banken und Notare heute sehr genau, ob die Direktzahlung (Zahlung direkt vom Käufer an den Verkäufer nach Erhalt der Fälligkeitsmitteilung) nicht der wirtschaftlichere Weg ist. In der modernen Baufinanzierung ist die Direktzahlung mittlerweile der Standard, sofern keine besonderen Risiken vorliegen.
Wichtig für Kunden:
Besprechen Sie mit Ihrem Notar frühzeitig, ob in Ihrem speziellen Fall ein Notaranderkonto notwendig ist oder ob eine Direktzahlung ausreicht. Ein Treuhandkonto bietet zwar ein Höchstmaß an Sicherheit, verursacht jedoch zusätzliche Gebühren, die Sie in Ihrer Gesamtkalkulation der Baufinanzierung berücksichtigen sollten.