Lage, Lage, Lage! Teil 2: Diese Standortfaktoren machen eine gute Lage aus
Makrolage, Mikrolage, Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Nachbarschaft: Teil 2 unserer Serie zeigt, welche Standortfaktoren eine gute Lage ausmachen und warum sie den Immobilienwert beeinflussen.
Dieser Beitrag ist Teil 2 unserer vierteiligen Serie zur Lage beim Immobilienkauf: Teil 1 · Teil 3 · Teil 4
Welche Faktoren machen eine gute Lage aus?
Viele Kaufinteressenten stellen sich die Frage: Woran erkenne ich eigentlich eine gute Lage?
Die Antwort ist nicht immer eindeutig. Denn die perfekte Lage gibt es nicht. Während Familien häufig großen Wert auf Kindergärten und Schulen legen, bevorzugen Berufspendler eine gute Autobahnanbindung oder eine schnelle Zugverbindung. Kapitalanleger wiederum achten besonders auf die Vermietbarkeit und die langfristige Wertentwicklung.
Dennoch gibt es verschiedene Standortfaktoren, die nahezu jede Immobilie positiv beeinflussen.
Makrolage und Mikrolage — der entscheidende Unterschied
Immobilienexperten unterscheiden grundsätzlich zwischen der Makrolage und der Mikrolage. Beide Bereiche beeinflussen den Wert einer Immobilie erheblich.
Was versteht man unter der Makrolage?
Die Makrolage beschreibt die Region, Stadt oder Gemeinde, in der sich die Immobilie befindet. Hier spielen beispielsweise folgende Faktoren eine Rolle:
- Wirtschaftskraft der Region
- Bevölkerungsentwicklung
- Arbeitslosenquote
- Kaufkraft
- Anzahl der Unternehmen
- Zukunftsperspektiven
- Infrastruktur der gesamten Stadt
- Verkehrsanbindung
- Universitäten und Hochschulen
Eine wirtschaftlich starke Region mit vielen Arbeitgebern bietet häufig bessere Zukunftschancen als strukturschwache Regionen.
Was versteht man unter der Mikrolage?
Die Mikrolage beschreibt dagegen das unmittelbare Umfeld der Immobilie. Hierzu gehören beispielsweise:
- die Nachbarschaft
- die direkte Straße
- die Lautstärke
- Grünflächen
- Parkmöglichkeiten
- Einkaufsmöglichkeiten
- Bushaltestellen
- Schulen
- Kindergärten
- Ärzte
- Restaurants
- Spielplätze
Oft entscheidet die Mikrolage darüber, ob sich Käufer oder Mieter für eine Immobilie entscheiden.
Ein gutes Beispiel: Zwei identische Häuser liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Das erste Haus befindet sich in einer ruhigen Sackgasse. Das zweite Haus liegt direkt an einer stark befahrenen Hauptstraße. Obwohl beide Immobilien im gleichen Stadtteil stehen, kann der Preisunterschied erheblich sein.
Infrastruktur — einer der wichtigsten Standortfaktoren
Eine gute Infrastruktur verbessert nicht nur den Alltag, sondern erhöht häufig auch den Immobilienwert. Je einfacher sich wichtige Einrichtungen erreichen lassen, desto attraktiver wird eine Immobilie für viele Käufer und Mieter.
Zu einer guten Infrastruktur gehören unter anderem:
- Supermärkte
- Bäckereien
- Drogerien
- Apotheken
- Banken
- Restaurants
- Cafés
- Fitnessstudios
- Sportvereine
- Freizeitangebote
- Spielplätze
- Parks
Besonders Familien achten darauf, dass möglichst viele Einrichtungen des täglichen Bedarfs innerhalb weniger Minuten erreichbar sind. Kurze Wege sparen Zeit und erhöhen die Lebensqualität.
Schulen und Kindergärten
Gerade Familien entscheiden sich häufig bewusst für bestimmte Wohngebiete, weil dort das Bildungsangebot besonders gut ist. Achten Sie beispielsweise auf:
- Kindergärten
- Grundschulen
- weiterführende Schulen
- Ganztagsangebote
- Musikschulen
- Sportangebote
- Vereine
Ein attraktives Bildungsangebot erhöht oftmals die Nachfrage nach Wohnraum und wirkt sich langfristig positiv auf die Immobilienpreise aus.
Verkehrsanbindung
Eine gute Verkehrsanbindung gehört zu den wichtigsten Kriterien beim Immobilienkauf. Denn Zeit ist einer der wertvollsten Faktoren im Alltag. Überlegen Sie sich deshalb folgende Fragen:
- Wie lange dauert der Arbeitsweg?
- Ist eine Autobahn schnell erreichbar?
- Gibt es regelmäßig Bus- und Bahnverbindungen?
- Wie weit ist der nächste Bahnhof entfernt?
- Wie lange dauert der Weg in die Innenstadt?
Eine Immobilie muss nicht zwangsläufig zentral liegen. Oft reicht bereits eine gute Verkehrsanbindung aus, um einen Standort deutlich attraktiver zu machen.
Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Entwicklung
Wo Arbeitsplätze entstehen, steigt häufig auch die Nachfrage nach Wohnraum. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Folgende Fragen können hilfreich sein:
- Gibt es große Arbeitgeber?
- Werden neue Unternehmen angesiedelt?
- Wie entwickelt sich die Arbeitslosenquote?
- Wächst die Bevölkerung?
- Werden neue Gewerbegebiete erschlossen?
Ein stabiler Arbeitsmarkt sorgt häufig für:
- steigende Immobilienpreise
- höhere Nachfrage
- bessere Vermietbarkeit
- geringere Leerstandsquoten
Aus diesem Grund entwickeln sich wirtschaftlich starke Regionen häufig besser als strukturschwache Gebiete.
Medizinische Versorgung
Dieser Punkt wird häufig unterschätzt. Dabei spielt die medizinische Versorgung für viele Menschen eine wichtige Rolle. Fragen Sie sich beispielsweise:
- Wie weit ist der nächste Hausarzt entfernt?
- Gibt es Fachärzte in der Nähe?
- Wie schnell erreiche ich ein Krankenhaus?
- Sind Apotheken gut erreichbar?
Gerade Familien und ältere Menschen legen großen Wert auf eine gute medizinische Infrastruktur.
Einkaufsmöglichkeiten
Viele Menschen möchten ihre täglichen Besorgungen ohne lange Fahrzeiten erledigen können. Eine gute Lage zeichnet sich häufig dadurch aus, dass sich folgende Einrichtungen in der Nähe befinden:
- Supermärkte
- Discounter
- Drogerien
- Bäckereien
- Metzgereien
- Einkaufszentren
Je kürzer die Wege, desto attraktiver wird eine Immobilie für viele Käufer.
Freizeitangebote erhöhen die Lebensqualität
Nicht nur die Arbeit entscheidet über die Attraktivität einer Lage. Auch Freizeitmöglichkeiten beeinflussen die Wohnqualität. Dazu gehören beispielsweise:
- Parks
- Wälder
- Seen
- Sportvereine
- Fitnessstudios
- Restaurants
- Cafés
- Schwimmbäder
- Kinos
- Spielplätze
- Radwege
Eine hohe Lebensqualität steigert häufig auch die Nachfrage nach Wohnraum.
Die Nachbarschaft entscheidet mit
Beim Immobilienkauf erwerben Sie nicht nur das Gebäude. Sie kaufen gleichzeitig auch Ihre zukünftige Nachbarschaft. Deshalb sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
- Wie gepflegt wirken die umliegenden Häuser?
- Gibt es Leerstände?
- Wie sauber sind die Straßen?
- Wie ist die Geräuschkulisse?
- Fühle ich mich hier sicher?
- Passt das Umfeld zu meinem Lebensstil?
Besuchen Sie die Immobilie nicht nur tagsüber. Schauen Sie sich das Wohngebiet zusätzlich
- am Abend,
- am Wochenende
- und während des Berufsverkehrs
an. Oft zeigt sich erst dann, wie das Wohnumfeld tatsächlich wirkt.
Sicherheit und soziales Umfeld
Auch das Sicherheitsgefühl spielt für viele Käufer eine entscheidende Rolle. Informieren Sie sich daher über:
- Kriminalitätsstatistiken
- soziale Brennpunkte
- geplante Bauprojekte
- Leerstände
- Zustand der umliegenden Gebäude
Ein gepflegtes Wohnumfeld spricht häufig für eine stabile Nachbarschaft.
Mein Praxistipp als Baufinanzierungsberater
In meiner täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Kaufinteressenten sich zu stark vom günstigen Kaufpreis leiten lassen. Erst Jahre später stellen sie fest, dass ihnen die Lage überhaupt nicht zusagt oder sich die Immobilie deutlich schwieriger verkaufen beziehungsweise vermieten lässt als gedacht.
Deshalb empfehlen wir, jede Immobilie nicht nur nach dem Kaufpreis zu beurteilen, sondern immer das Gesamtpaket zu betrachten:
- Lage
- Infrastruktur
- Zukunftsperspektive
- Finanzierung
- Werthaltigkeit
- persönliche Lebensqualität
Denn eine gute Finanzierung beginnt bereits mit der Auswahl der richtigen Immobilie.
Weiter geht es mit Teil 3: Stadt oder Land, Lageklassen und typische Fehler — dort erfahren Sie, welche Lage zu wem passt, wie die vier Lageklassen einzuordnen sind, warum sich Lagen verändern können und welche Fehler Käufer bei der Standortwahl häufig machen.